Bauen

Alles eine Typfrage

Wohnformen für unterschiedliche Bedürfnisse

Foto: weissdesign – adobe.stock.com

Foto: weissdesign – adobe.stock.com

Mit den eigenen vier Wänden ist es ein wenig wie bei der Partnersuche: Man sollte gut zusammenpassen und das möglichst ein Leben lang. Um eine glückliche Verbindung eingehen zu können, gibt es in beiden Fällen erstmal die wichtige Frage zu stellen: Was bin ich für ein Typ – und was passt am besten zu mir? Zumindest bei der Wohnform lässt sich das mit ein paar weiteren Fragen gut herausfinden: Wie viel Platz brauche ich? Passt zu mir: „klein, aber mein“ oder „mehr Raum, mehr Fläche“? Finde ich die Aussicht, die eigenen vier Wände selbst aus- oder umzubauen reizvoll oder will ich das Bewohnen baustellenfrei genießen? Nehme ich das Sprichwort „My home is my castle“ ganz wörtlich oder brauche ich die Kiez- oder Hausgemeinschaft, um aufzublühen? Ganz schön viele Fragen, oder? Darum die gute Nachricht vorweg: Auf jeden Topf passt ein Deckel und zu jedem Wohntyp das geeignete Zuhause. Doch der Reihe nach.

Ein solcher Trend ist der zum Kleinsthaus mit maximal 40 Quadratmetern Wohnfläche, dem so genannten Tiny House. So ein komprimiertes Eigenheim ist schon für weniger als 50 000 Euro zu haben. Passivhausstandard und eine Solaranlage zur Stromerzeugung können energiebewusste Eigentümer für einen überschaubaren Aufpreis „draufsatteln“. Das macht ein Tiny House attraktiv für Singles mit schmalem Geldbeutel und junge Paare, die sich wirklich sehr gut riechen können. Denn mit dem begrenzten Platzangebot sollte man umgehen können, was auch heißt: Organisationstalent und ein Mindestmaß an Ordnungsliebe sollten mit einziehen. Ebenso die Erkenntnis: Die erste eigene Immobilie kann – wie die erste Liebe – auch dann sehr schön sein, wenn sie nicht für immer ist.

Vielleicht lässt sich die erste Liebe ja aber auch ausbauen. Erweiterbare Modulhäuser mit in der Regel 40 bis 60 Quadratmetern lassen sich bei Bedarf erweitern. Darin lässt sich bereits ein hohes Maß an individuellem Wohnkomfort verwirklichen. Neben der kurzen Bauzeit und den vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten – kleinere Module gibt es schon ab etwa 50 000 Euro aufwärts – spricht für die Modulbauweise vor allem ihre Flexibilität. Bei Familienzuwachs oder wenn man Wohn- und Arbeitsbereich trennen will, kann man eine zusätzliche Wohneinheit aufs Dach oder daneben setzen. Die Modulbauweise eignet sich etwa für junge Paare mit noch nicht abgeschlossener Familienplanung und geringem Eigenkapital. Für Senioren, denen das eigene Haus nach dem Auszug der Kinder zu groß geworden ist. Oder für befreundete Paare, die sich in größtmöglicher Nähe zueinander, aber doch in abgeschlossenen Wohneinheiten einrichten können. Stellen Sie zwei Wohnmodule neben- oder übereinander, senkt das die Grundstücks- und Baukosten für beide beträchtlich.

Alles eine Typfrage-2
Foto: Robert Kneschke – adobe.stock.com

Gemeinschaftssinn spart Kosten

Was uns zu einer weiteren Möglichkeit, günstig Eigentümer zu werden, bringt: Immer mehr Bauwillige schließen sich zu Baugemeinschaften zusammen. Die dadurch möglichen Synergieeffekte – geteilte Kosten fürs Grundstück und dessen Erschließung, „Mengenrabatt“ für gemeinsam eingekaufte Planungsleistungen und Materialien – machen Wohneigentum für jedes Mitglied der Baugruppe um bis zu 20 Prozent günstiger als beim Bauen in Eigenregie. Interessant sind Baugemeinschaften nicht zuletzt für Menschen mit besonderen Wohnbedürfnissen, die Bauinvestoren sonst eher nicht abdecken: Menschen, die Wohnung und Arbeitsplatz (Büro, Atelier oder Workspace für mehrere Bewohner) eng verzahnen wollen. Interessant sind solche Projekte auch für Menschen mit Behinderung, Alleinerziehende oder Senioren.

Da Baugemeinschaften nur einvernehmlich entscheiden können, sollte man sich allerdings über eines im Klaren sein: Ohne ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Kompromissfähigkeit geht der Bau in der Gruppe nicht und schnell geht er meist auch nicht. Wer schon auf Elternabenden oder bei Besprechungen schnell genervt ist, lässt hier besser die Finger davon und orientiert sich oben am Prinzip „klein aber mein.“

Der Merksatz lautet also: Wer sich aus spontaner Begeisterung unreflektiert in ein Abenteuer stürzt, den kommt das bisweilen teuer zu stehen. Außerdem sind Abenteuer meist nicht dauerhaft angelegt. Wer also die Liebe fürs Leben unter den eigenen vier Wänden sucht, muss sich ganz unromantisch erstmal selbst fragen: Was will ich eigentlich? Und wer zu zweit übers gemeinsame Wohnen nachdenkt, kann oben gern nochmal starten. Denn die Frage „Was wollen wir eigentlich?“ ist noch viel schwerer zu beantworten. Aber zum Glück gibt’s ja zu jeder Wohnform die passenden Deckel. Quelle: Schwäbisch Hall